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Schuften für andere



Schuften für andere

OGA 18.06.2010

Birkenwerder - Raus ins Leben, raus auf den Mist. Oder ans Fließband mit klappernden Glasröhrchen. Für Schüler der Regine-

Hildebrandt-Gesamtschule sah gestern der Unterrichtstag so aus.

Denn zum zweiten Mal nahm die Schule am bundesweiten Sozialen Tag des Projektes „Schüler helfen leben“ teil, als eine von vier Schulen in Brandenburg. In bundesweit 880 Schulen blieben gestern Klassenräume verwaist, weil die Schüler unentgeltlich in Betrieben oder beim Nachbarn halfen und den Lohn dafür weitergaben.

„Dieses Jahr sind es die albanischen Straßenkinder. Ihnen können wir mit Lebensmitteln und der Bezahlung von Lehrern helfen“, erläutert Schulsprecher Robin Miska das Ziel der Aktion.  „Die Leute haben sich ihre Betriebe ausgesucht. Manche gehen auch zum Nachbarn und helfen dort, andere arbeiten in den Betrieben ihrer Eltern für einen Tag mit. Vorher wurde ausgemacht, wie viel das Unternehmen als Lohn zahlen will. 2 500 Euro haben wir zugesichert bekommen“, freut sich Robin, der mit einer ordentlichen Portion Gelassenheit die Dreharbeiten des dreiköpfigen Filmteams über sich ergehen lässt, das ihm den ganzen Tag im Nacken sitzt.

Es folgt ihm gerade zu Nina Stahnke und Sara Andrle in die Kita der Asklepios-Klinik gleich gegenüber, um dort beim Basteln zuzuschauen. Die beiden Achtklässlerin sind sich nicht zu schade, ordentlich in den Leim und in Papierfetzen zu greifen, um gemeinsam mit den Knirpsen amüsante Schildkröten zu zaubern. An der Eingangstür der Kita werden die Eltern aufgefordert, für den Einsatz der beiden Schülerinnen zu spenden – und so eben auch für albanische Kinder, die noch nie in einer Kita waren. Danach wird alles wieder eingesackt und Kurs auf Glienicke zur Nordbahn gGmbH genommen. Auf dem Weg dorthin gibt es einen Zwischenstopp bei Marc-Phillip Streicher, der für die evangelische Kirchengemeinde

 

 

 

Birkenwerder gemeinsam mit deren Hausmeister Rasen mäht und Büsche beschneidet. In der prallen Sonne keine leichte Arbeit, „aber sie macht Spaß, ich weiß ja, wofür“, sagt der Achtklässler, der 64 Euro zum Spendenaufkommen seiner Schule beitragen kann.

Bei der Nordbahn Gesellschaft hat Jenny Köster aus der 7 c Platz am Fließband genommen. Von Gruppenleiterin Hanna Gründel kurz eingewiesen, kontrolliert sie mit ihren behinderten Kollegen für einen Tag Blutentnahmeröhrchen auf schadhafte Stellen. In zweieinhalb Tagen liefert die Nordbahn bis zu 64 000 per Lichtschranke geprüfte Röhrchen an Brahms in Hennigsdorf.

Das Haus selbst kennt die Dreizehnjährige, denn ihre Mutter Sylke Köster arbeitet bei der Nordbahn mit behinderten Menschen zusammen. „Ich finde es schön hier. Ich war auch beim Girl's Day in den Werkstätten und möchte später gemeinsam mit Behinderten arbeiten“, sagt Jenny lachend und fragt, ob sie für die Kamera nicht doch die nicht so formschöne Plastehaube absetzen könne. Zwei Stunden arbeitet sie.

„Ich kriege davon gute Laune“, sagt sie noch in die Kamera, bevor das Team weiter zum Reiterhof am Kindelwald fährt. Hier steht Nadja Günther aus der Klasse 9 b neben dem schwarzen Hengst Zauberprinz. Gewaschen und gebürstet hat sie ihn schon. Als Hintergrundbild für das Interview stellt sich das schöne Tier aber noch einmal hinter Nadja, die beinahe jeden Tag auf dem Reiterhof ist. „Ich verbringe hier meine Freizeit, und so habe ich das Schöne mit dem Sozialen verbunden“, erzählt die Schülerin, die erst mit den Osterferien vom Berliner Gymnasium auf die Hildebrandt-Schule wechselte. „Ich habe die Tiere heute schon getränkt, gefüttert und gebürstet. Später kommen noch die Boxen ran, ausmisten. Aber ich werde bestimmt länger bleiben.“  (Sandra Kurtz)

   

Marc-Phillip Streicher aus der Hildebrandt-Schule lässt die Kamera beim Heckestutzen kalt.





Veröffentlicht am:
09:53:11 01.07.2010 von CMS System Benutzer

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